Die Fundinsel
Informationsseite für traditionellen Schmuck aus Neuseeland
Flachs diente als Grundlage für alle Arten von Kleidung und wurde Beispielsweise verwendet für die Herstellung von Regen- Umhänge, Mäntel, Röcke, Lendentücher, Sandalen und Gürtel und hatte damit einen wesentlichen Bestandteil in der Kultur der Maori.
Die für Regenumhänge verwendete Fasern (muka) wurden in
kurzen Streifen zu einem geschichteten Reet gebunden, ähnlich der Konstruktion
von Reetdächern.
Das dabei entstandene Schuppenartige Geflecht war ein
hervorragender Regenschutz, da durch die oberen Schichten das Wasser abgeleitet
wurde.
Diese Umhänge hatten einen funktionalen wie auch dekorativen
Wert.
Es entstanden Mäntel, die mit Federn des Kiwis, dem heutigen
Nationalvogel Neuseelands, sowie Federn von Ringeltauben (Kereru) und Papagei
(Kaká) mit eingearbeitet wurden.

Gill, H J, fl 1912 :Group of Otago Maoris / photo by Gill. F. T. series no. 340. [1900-1920].
Mit freundlicher Genehmigung der Alexander Turnbull Library, Wellington,
National Bibliothek Neuseeland Ref.Eph-F-POSTCARD-Vol-1-11-3
Die Maori erkannten die große Bedeutung des Harakeke und
gründeten ihre eigenen Flachs Baumschulen und Plantagen, die sich bald über das
ganze Land verbreiteten.
Flachsblätter wurden von ihrer Basis aus mit einer scharfen Muschel oder
einem speziell geformten Steinwerkzeug geschnitten, der grüne und
fleischige Blatteil von den Fasern getrennt um anschließend in mehreren
Prozessen durch Waschen, Bleichen, Fixieren, Enthärten, Färben und
Trocknen den Flachs für das Handwerk vorzubereiten.
Hochsee- Netze von bis zu 1000 Meter Länge wurden
vollständig aus Flachs Streifen angefertigt, mit dem gleichen Typ von Knoten
wie sie europäische Fischnetzhersteller anfertigen.
Die handgefertigten Flachs Schnüre und Seile hatten eine
große Zugfestigkeit, so dass damit effizient die Bauteile für riesige
Hochsee-Kanus (waka) verbunden werden konnten.
Des Weiteren fand der verarbeitete Flachs Verwendung im
Bootsbau für Takelagen, Segel, Ankerketten wie auch für den täglichen Gebrauch
in Form von Körben.
Zum Beispiel wurden binnen kurzer Zeit kleine Körbe
angefertigt, die nach einmaligem Gebrauch zum Servieren der Speisen,
weggeworfen wurden.
Flachs wurde auch von Maori für seine medizinischen
Eigenschaften geschätzt.
Die Blätter, Wurzeln
und Halme des Flachses wurden als Wickelblätter, Abführmittel,
Desinfektionsmittel und Salben für Hauterkrankungen wie auch für Wunden, Magen-
und geschwollene Gelenke eingesetzt.
In den späteren Jahren Neuseelands war die Flachs Seilerei
ein wichtiger Wirtschaftszweig, mit Hunderten von Flachs betriebenen Ölmühlen
in ihren Boomjahren.
Während der Depression in den 1930er Jahren wurde das
Verfahren der Flachsherstellung nochmals verändert, aber das Aufkommen billiger
synthetischen Fasern in den 70er Jahren bedeutete das Ende der Flachsindustrie.
Das Flachsweben von Hand galt in Ersten Hälfte des
zwanzigsten Jahrhunderts schon fast als ausgestorben, als die Maori ihrerseits
durch das Interesses an traditioneller Flachs- Handwerkskunst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts es wieder aufleben ließen.

Woman seated on a flax mat weaving a food
basket (rourou or kono) from flax leaves at Koroniti.
Photographed by
James Ingram McDonald in 1921.
Mit freundlicher Genehmigung der Alexander Turnbull Library, Wellington,
National Bibliothek Neuseeland Ref.PA1-q-257-28-4
Flachs Weben ist heute wieder ein fester Bestandteil der
kulturellen Identität von Neuseeland.
Flachs Kleidung wird in heutiger Zeit öfters bei kulturellen
Veranstaltungen und feierlichen Anlässen getragen und zeitgenössische Künstlern
und Kunsthandwerker nutzen zunehmend Flachs- Produkte in ihren Kreationen.
In jüngerer Zeit tritt auch ein Wiederaufleben des
Interesses an der Erforschung des kommerziellen Potenzials von Flachs ein.
Seit der Jahrhundertwende wird der neuseeländischen Flachs
in seinem Wert als Nutzpflanze wieder erkannt, erforscht und findet Verwendung
in Geweben, Speiseöle, Pharmazeutika, Kosmetika und als Ersatz für Glasfasern.